Die 10 wichtigsten Regeln für einen wirtschaftlich sinnvollen Gebrauchtwagenkauf

Das sind die wichtigsten Regeln, die Du für den Autokauf unbedingt beherzigen solltest.

Regel Nr.1: Kein blinder Kauf!

Stütze Deine Kaufabsichten auf vorherigen Recherchen! Du hast eine Preisvorstellung und weißt worauf bei dem gewünschten Modell zu achten ist. Du kennst die typischen Mängel und wie man sie überprüfen kann. Du kennst die Vorzüge dieses Modells gegenüber anderen Modellen und Marken. Das reduziert dramatisch das Risiko ein Fehlkauf zu machen und macht Dich gleichzeitig sicherer in der Kaufentscheidung.

Regel Nr. 2: Besichtigung mit Plan

Du gehst systematisch und gewissenhaft an die Sache ran und hast genug Zeit. Lege vor der Besichtigung den Ablauf fest. Nehme Dir zu Besichtigungen eine zweite Person mit! Selbst wenn dieser Jemand kein Expertenwissen mitbringt, bekommst Du von Deinem Begleiter oder Begleiterin eine zweite Meinung. Man ermahnt sich gegenseitig den systematischen Plan abzuarbeiten und vier Augen sehen mehr als nur die eigenen.

Regel Nr. 3: Schönwetter Scouting

Eine Besichtigung solltest Du nur bei gutem Tageslicht und Wetter vornehmen. Du musst den Lack genau anschauen können. Kaum ein Auto ist rundherum vollständig mängelfrei. Unschöne äußerliche Mängel, wie Rost, angelaufenes Scheinwerferglas, Kratzer in Windschutzscheibe lassen sich nur unter guten Lichtverhältnissen und bei Trockenheit erkennen. Dauerregen und Schneefall sind völlig ungeeignet und es macht zudem keinen Spaß.

Regel Nr.:4: Die eigene und unabhängige Fahrzeugbewertung zählt!

Verlasse Dich nicht auf die Einschätzung und Preisschild des Verkäufers. Es gibt sehr viele Punkte, die Du sehr einfach nachprüfen kannst. Alle Prüfkriterien solltest Du nach einem Plan systematisch checken. Lass Dir dazu die nötige Zeit. Außerdem empfehle ich Dir eine professionelle Fahrzeugbewertung. Das ist tendenziell wichtig, je höher der Fahrzeugwert ist. Generell rate ich auch dazu je geringer Deine Kenntnisse über Autos und deren Technik sind.

Regel Nr. 5: Der Verkäufer Check

Ein sympathischer Auftritt des Verkäufers ist wichtig. Wer kauft schon gerne für ein stolzes Vermögen ein Auto von einem unangenehmen Gegenüber? Aber das allein reicht nicht. Wie verhält sich der Verkäufer während der Besichtigung? Wirkt er aufdringlich, nervös oder eher entspannt? Bekommst Du genug Zeit fürs Anschauen und Probefahren? Setzt er Dich unter Zeitdruck und gibt sich verschwiegen und unwissend? Beantwortet er gefühlt offen und ehrlich alle Deine Fragen? Ist er bereit zur Herausgabe der Kontaktdaten des Vorbesitzers? Quasi ein Test wie er reagiert, und natürlich ein Weg, die Aussagen zum Fahrzeug vom vorherigen Halter zu validieren.

Regel Nr. 6: Kritische Fragen sind Pflicht!

Traue Dich unbedingt manche Fakten zu Hinterfragen. Das betrifft die Fahrzeughistorie zu möglichen Unfallschäden, Gesamtkilometer und wie lange das Auto schon auf dem Hof steht! Solche Fragen helfen Dir die Professionalität und Ehrlichkeit des Verkäufers richtig einzuschätzen. Sein Verhalten auf die Frage verrät oft mehr als dem Verkäufer bewusst ist.

Regel Nr. 7: Kenne die Fahrzeughistorie!

Ein guter Einstieg ist die Frage zu dem Verkaufsgrund des Vorbesitzers. Hier lohnt es sich genau zuzuhören und auch nachzuhaken. Die Historie ist bei gebrauchten Autos sehr wichtig. Die inneren Werte eines Autos merkst Du erst in der täglichen Benutzung nach dem Kauf. Und hier helfen Dir Gesamtkilometer und äußerlich erkennbarer Zustand nur bedingt weiter. Daher ist es so wichtig, eine Ahnung oder eben sehr genaue Information zum Vorbesitz und Nutzung des Fahrzeugs zu bekommen. Kurzstreckenläufer, Ex-Taxis und Mietwagen-Vergangenheit sind schwierige Vorgeschichten zur Einschätzung der inneren Werte. Pendler und Langstreckenläufer, Zweitwagen Besitz oder junger Vorführwagen sind dagegen leichter einzuschätzen. Es macht einen erheblichen Unterschied, wenn das Auto als “Familie Knecht” zwischen Kindergarten und Supermarkt oder als reines Pendlerauto an 5 Tagen pro Woche genutzt wurde. Pendlerautos sind sehr beliebt als Gebrauchte. Es ist davon auszugehen, dass diese mit dem geringsten Verschleiß bei gleicher Laufleistung gegenüber dem typischen Familienauto im Kurzstreckenbetrieb aufweisen. Es mag Ausnahmen geben, aber es ist gilt allgemein als plausibel, dass grundsätzlich Kurzstrecken bei Autos mit Verbrennungsmotor zu vermeiden sind – wann immer möglich. Es schadet der Umwelt und eben auch der Langlebigkeit des Motors und weiteren Teilen. Grundsätzlich ist die Zahl der Vorbesitzer auch ein Indiz zum vorherigen Leben des Fahrzeugs. Idealerweise gibt es nur einen Vorbesitzer. Mehrere Vorbesitzer sollten immer zu einer Restwertminderung in der Fahrzeugbewertung führen.

Regel Nr. 8: Große Probefahrt = Sehr wichtig für die Kaufentscheidung

Probefahren ist essentieller Bestandteil der Besichtigung und liefert Dir neben der detaillierten Durchsicht die entscheidende Grundlage für die Kaufentscheidung! Ein Wendemanöver auf der Straße vor dem Hof des Händlers ist keine Probefahrt! Mehr dazu in folgendem Unterkapitel.

Regel Nr. 9: Preisverhandlung erst am Schluss starten!

Die Preisverhandlung hebst Du Dir bis ganz zum Schluss auf. Erst wird das Angebot sauber durchleuchtet und die Probefahrt durchgeführt! Du kannst Dir auch sparen, bereits bei der Terminvereinbarung am Telefon diese typischen Fragen zu stellen: “Ist beim Preis noch was zu machen?”. Natürlich ist in den allermeisten Fällen noch Luft. Das ist der Angebotspreis, nicht der Verkaufspreis!

Du solltest wie beim Pokern eine strategische Haltung gegenüber dem Verkäufer einnehmen. Strahle niemals eine zufriedene Haltung aus, wenn es um den Kaufpreis geht. Du musst wissen: Auch der Verkäufer will als Gewinner vom Platz gehen, und soll nicht das Gefühl bekommen zu billig zu verkaufen. Er möchte den höchstmöglichen Preis erhalten, das ist sein Ziel. Er will niemals ein schlechtes Geschäft machen, denn es ist sein Beruf Autos möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Gerade wenn Du von einem Händler ein Auto kaufen willst, muss Dir bewusst sein, dass der Verkäufer viel mehr Erfahrung und möglicherweise auch Verhandlungsgeschick als Du haben wirst. Es ist sein Tagesgeschäft Autos an die Frau oder Mann zu bringen. Diesen Prozess trainiert er ständig! Anders ist das natürlich beim Kauf von privat. Daher sollte man sich vor der Preisverhandlung immer bewusst machen, mit wem man es zu tun hat.

Macht man mit diesen Tipps immer ein Schnäppchen?

Ob Du wirklich ein Schnäppchen gemacht hast, wirst Du erst viel später herausfinden. Wie unter Kapitel 5 beschrieben, lohnt sich ein Gesamt-Kostenmanagement, das Du mindestens jährlich aktualisieren solltest. Mit dieser Übersicht stellt sich dann heraus ob der einstige Kauf tatsächlich ein Schnäppchen war. Ein Tipp noch zum Schluss: Der billigste Preis ist nicht das Entscheidende! Anhand der Beurteilung des inneren Wertes eines Fahrzeugs, entscheidest Du ob das Angebot teuer oder günstig ist.

Regel Nr.10: Kaufe nur mit seriösem Kaufvertrag!

Egal wie hoch die Summe, wie vertrauenswürdig oder bekannt der Vorbesitzer. Man findet beispielsweise im Netz auf bekannten Automobilclub-Seite den Kaufvertrag als Standardformular. Diese sind in ihrer aktuellsten Fassung die beste Grundlage für den privaten Autokauf. Beim Kauf über einen Händler kannst Du die Bestandteile des vorgelegten Kaufvertrags mit den genannten Standardformularen vergleichen. Im Zweifel lieber vom Kauf absehen, oder einen sachkundige Meinung einholen, bevor man mit schlechtem Gewissen unterschreibt.